Diese Seite erklärt, wie wir Studien lesen, welche Evidenz wir bevorzugen und was die Forschung aktuell nahelegt – speziell für die Themen Abnehmen, Ernährung, Bewegung/NEAT, Schlaf/Stress. Außerdem: Kernaussagen mit Primär‑/Sekundärfokus, eine Checkliste zur Studienbewertung sowie Links zu offiziellen Methoden‑Standards (Cochrane, GRADE, CONSORT/STROBE).
Kurzfassung: Wir priorisieren systematische Reviews/Metaanalysen und Leitlinien. RCTs wiegen höher als Beobachtungsstudien; mechanistische/akute Befunde sind hypothesenstiftend. Wir nennen Unsicherheiten und verlinken – wo möglich – auf Primärquellen.
1) Wie wir Evidenz gewichten
- Priorität A: Systematische Reviews/Metaanalysen hochwertiger RCTs; Leitlinien globaler/staatlicher Institutionen
- Priorität B: Einzel‑RCTs; große prospektive Kohorten
- Priorität C: Pilot‑/Kurzzeitstudien; mechanistische Humanstudien
Methoden‑Standards: Cochrane‑Methodenrahmen und GRADE (Bias, Inkonsistenz, Indirektheit, Impräzision, Publikationsbias).
2) Kernaussagen (Kurzüberblicke)
Bewegung/NEAT & Sitzen
- Mindestumfang: 150–300 Min moderat/Woche oder 75–150 Min kräftig + 2× Kraft; jede Bewegung zählt, auch kurze Bouts.
- Unterbrechen: Alle ~30 Min kurz gehen → bessere postprandiale Glukose/Insulin; Gehen > Stehen.
- Cadence‑Heuristik: ~100 Schritte/Minute ≈ moderat.
Ernährung – Energiedichte, Protein, Flüssigkalorien, UPF
- Niedrige Energiedichte → weniger Energie bei ähnlicher Sättigung; Suppe/Salat als Vorspeise senkt Mahlzeiten‑Kalorien.
- Protein erhöht Sättigung, stützt Magermasse unter Defizit.
- Zuckergesüßte Getränke erhöhen Risiko für Gewichtszunahme; Ersatz durch kalorienfreie Alternativen hilft (kleine, aber robuste Effekte).
- UPF fördert höhere spontane Energieaufnahme (Tempo/Palatabilität/Struktur).
Schlaf & circadiane Rhythmen
Kurzschlaf und circadiane Verschiebungen verändern appetitrelevante Hormone und erhöhen Energieaufnahme/Cravings.
Nicht‑Zucker‑Süßstoffe
Gesundheitspolitische Einordnung: zur Gewichtssteuerung langfristig unsicherer Nutzen – Wasser/ungesüßte Getränke bleiben erste Wahl.
EU‑Health‑Claims (Beispiel Glucomannan)
Glucomannan besitzt einen zugelassenen Claim („trägt zur Gewichtsabnahme bei“) im Rahmen einer Energiereduktion; Effekte sind heterogen – realistische Einordnung notwendig. Rechtsrahmen: VO (EG) Nr. 1924/2006 (wortlaut‑ und bedingungsgebunden).
3) Studien lesen – 10‑Punkte‑Check
- PICO klar?
- Design: RCT, Kohorte, Querschnitt, mechanistisch?
- Vorab‑Protokoll/Registrierung?
- Randomisierung/Verblindung/ITT?
- Stichprobe/Power ausreichend?
- Primäre Endpunkte klinisch relevant?
- Effektmaße: relativ und absolut?
- Unsicherheit (KI), Heterogenität (I²) in MAs?
- Generalisierbarkeit (Population/Setting)?
- Interessenkonflikte/Alltagsumsetzung?
4) Themen‑Dossiers (Kurzreviews)
A) Bewegung/NEAT
WHO‑Empfehlung; Sitzen regelmäßig unterbrechen; Cadence ≈ 100 Schritte/Min.
B) Energiedichte & Preloads
Wasser‑/faserreiche Vorspeisen (Suppe/Salat) reduzieren Hauptgang‑Kalorien.
C) Protein & Sättigung
Höher‑proteinige Muster verbessern Sättigung und stützen Lean‑Mass unter Defizit.
D) Zuckergesüßte Getränke (SSB)
Dosis‑Wirkung zu BMI/Gewicht; Substitution durch Wasser/NZS‑Getränke mit kleinen, aber signifikanten Effekten.
E) UPF
Kontrollierte Stationstrial‑Daten: +~500 kcal/Tag und Gewichtszunahme vs. unverarbeitet – Treiber u. a. Essgeschwindigkeit/Struktur/Palatabilität.
5) Schnell‑Checkliste für Leser:innen
- Ist es ein Review/RCT?
- Outcome klinisch relevant?
- Relative und absolute Effekte genannt?
- Konfidenzintervalle/Heterogenität?
- Protokoll/ITT?
- Interessenkonflikte?
6) Methoden‑Ressourcen
- Cochrane‑Handbuch (Bias, Effekte, MAs, GRADE)
- GRADE – Evidenzstufen & Empfehlungsstärke
- CONSORT (RCT‑Reporting), STROBE (Beobachtungsstudien)
7) Häufige Missverständnisse
- „Stehen reicht“: kleiner Effekt; Gehen/Unterbrechen ist der Hebel.
- „UPF ist nur Nährstofffrage“: auch Struktur/Tempo/Palatabilität spielen eine Rolle.
- „Süßstoff = Abnehm‑Tool“: Langzeit‑Vorteile auf Körperfett unsicher; Wasser/ungesüßt bevorzugen.
8) Transparenz & Updates
Evidenz‑Monitoring: WHO‑Updates, große Metaanalysen, EFSA‑Claims, Cochrane‑Reviews. Review‑Zyklus: 6–12 Monate; Korrekturen via Kontakt; substanzielle Änderungen am Artikelende vermerkt.
Zuletzt aktualisiert: 25. August 2025